zurück zu den Hausarbeiten


Thorsten Radermacher im März 1998


Abteilungsberricht: "Die WAZ-Geschäftstelle"

Allgemeine Vorbemerkungen zur Bedeutung der Geschäftsstellen

Die Leserschaftsforschung belegt, daß bei der Tageszeitung den lokalen Themen das größte Interesse gilt. Auch die großen überregionalen Tageszeitungen tragen diesem Trend Rechnung, indem sie den Umfang ihrer Lokalteile erhöhen.
Aufgrund ihres im Verhältnis zu den überregionalen Titeln überschaubaren Verbreitungsgebietes haben die regionalen Zeitungverlage den Vorteil, das lokale Geschäft durch das Einrichten von Geschäftsstellen aus erster Hand betreuen zu können. Die Geschäftsstellen übernehmen damit vor Ort wesentliche Funktionen aus Vertrieb und Anzeigengeschäft und führen darüber hinaus den Verkauf zahlreicher Sonderangebote (Bücher, Tickets, Stofftiere usw.) durch. Durch das Einrichten von Geschäftsstellen signalisiert der Verlag in erster Linie Nähe zum Kunden und lokale Kompetenz. In der Geschäftsstelle soll der Abonnent immer einen Ansprechpartner finden, der ihm individuelle Problemlösungen anbieten kann. Das führt zu einer verbesserten Leser-Blatt-Bindung.




Ein wesentlicher Vorteil der Tageszeitungen gegenüber den anderen Medien ist der direkte Kontakt mit dem Kunden. In einer Zeit, in der die Menschen mit Informationen überschwemmt werden, geht die Tageszeitung auf ihre Leser zu und beschäftigt sich mit deren Sorgen und Hoffnungen. Und das in besonderen Maße im lokalen Umfeld. In diesem "direkten Dialog mit dem Leser" kommt der Geschäftsstelle als Hauptanlaufstelle für den Kunden eine zentrale Bedeutung zu.

Rechtlich sind die lokalen WAZ- Geschäftsstellen der Zeitungsvertriebsgesellschaft mbH (ZVG) unterstellt. Die ZVG ist eine 100-prozentige Tochter der Zeitungsgruppe WAZ, die ursprünglich gegründet wurde, damit die Zeitungszusteller nicht den Betriebsrat dominieren können. Immerhin sind zur Zeit rund 7000 Zeitungsboten bei der ZVG beschäftigt. Sie bilden damit die größte Berufsgruppe innerhalb des Unternehmens.


I. Die Vertriebsabteilung

In ihrem Bestreben um Aktualität sind die Tageszeitungen auf schnelle und sichere Versandwege angewiesen. Eine ordentliche, pünktliche und mangelfreie Zustellung ist für den Absatz von Zeitungen eine ebenso wichtige Voraussetzung wie ein informatives und unterhaltsames redaktionelles Angebot.
Um den Leser optimal bedienen zu können, sind gut durchdachte Dispositions- und Versandabläufe notwendig. Neue Abonnenten müssen geworben und eingewiesen, Aussetzer erfaßt und spezielle Zustellwünsche berücksichtigt werden. Die Verlage bieten den Lesern immer speziellere, deren Bedürfnissen und Wünschen angepasste Abonnementsformen an, bis hin zum Tagesabo. Die tägliche Auflagenermittlung, die ordnungsgemäße Verteilung sowie das Reklamationsmanagement - dies sind die Aufgaben für deren reibungslosen Ablauf die Vertriebsabteilung verantwortlich ist. Innerhalb der WAZ-Gruppe übernehmen die lokalen Geschäftsstellen wesentliche Aufgaben des Vertriebes. Man spricht in diesem Fall von einer dezentralen Vertriebsorganisation.

Etwa 90 Prozent der Gesamtauflage der vier WAZ-Titel werden im Abonnement abgesetzt. Täglich müssen rund 1,3 Millionen Zeitungsexemplare an den Leser gebracht werden. Besondere Probleme beim Vertrieb von Tageszeitungen entstehen durch die Häufigkeit und die hohe Anzahl der täglichen Belieferungen.
Besonders regionale und lokale Zeitungsverlage sowie Anzeigenblattverlage bauen deshalb verstärkt verlagseigene Trägernetze auf, um ihre Zustellung auf diese Weise zu optimieren. Die überregionalen Titel gehen Kooperationen mit den lokalen Verlegern ein, um deren Trägernetze mitnutzen zu können. Die Einrichtung einer eigenen Botenorganisation ist für diese Verlage in der Regel unwirtschaftlich, da ihnen die nötige Bezieherdichte fehlt. Die FAZ, die Süddeutsche Zeitung, die Frankfurter Rundschau und die TAZ sowie das Handelsblatt gehören zu den Fremdobjekten, die im Ruhrgebiet von den Zeitungszustellern der Zeitungsgruppe WAZ ausgetragen werden.


Die Vertriebsleitung stützt sich in den Geschäftsstellen auf ein Netz von Vertriebsaußendienst-mitarbeitern (früher auch Vertriebsinspektoren genannt), denen jeweils eine bestimmte Anzahl von Zustellern unterstellt ist. Vor Ort sind sie für die ordnungsgemäße Zustellung der Zeitungen verantwortlich. Zu den Aufgaben des Außendienstes gehört es, das ihm zugewiesene Gebiet in Reviere einzuteilen, dort Abladestellen zu errichten und die Boten zu betreuen. Der Vertriebsaußendienst sichert somit die direkte Verbindung zwischen Vertriebsleitung und den Zustellern und damit die indirekte zum Abonnenten.

Der Ablauf der Auslieferung durch den Zeitungsboten


Um eine schnelle Orientierung der Boten zu ermöglichen, werden im Versand für jeden Zusteller zwei Arten von Paketen vorbereitet. Da sich die Stückzahl der in einem Paket verpackten Zeitungen nach deren Tagesgewicht richtet, enthalten die Pakete nicht jeden Tag die gleiche Anzahl von Exemplaren. Man unterscheidet Vollpakete, die an einem Tag die gleiche Stückzahl an Zeitungen beinhalten und Spitzenpakete, in denen die restlichen Exemplare versendet werden.
In den Spitzenpaketen findet der Zusteller ebenfalls alle Nachrichten, die er für die ordentliche Zustellung benötigt. Dies sind insbesondere Veränderungsmitteilungen, aus denen der Bote alle Zu- und Abgänge des Tages, sowie Umzüge ersehen kann. Zum anderen schickt der Außendienst den Boten gegebenenfalls die Reklamationen des Vortages, um sie auf eventuelle Misstände aufmerksam zu machen.


Da sich die Boten aus organisatorischen Gründen die Pakete nicht selbst beim Versand abholen können ( 1. ständen ca. 7000 Boten an den Rampen, 2. müßten sie noch teilweise beträchtliche Strecken bis in ihre Reviere zurücklegen), werden die versandfertig verpackten Pakete von Spediteuren in die einzelnen Reviere gefahren. Dort werden sie an den vom Außendienst eingerichteten Abladestellen deponiert, wo sie vom Boten abgeholt werden können.
Bei der Einrichtung der Abladestellen muß besonders auf die Sicherheit des Standortes geachtet werden. Nicht selten kommt es vor, daß Zeitungen gestohlen werden, die an Hauptverkehrsstraßen und insbesondere an Haltestellen deponiert werden. Für den Außendienst besteht in diesem Fall beispielsweise die Möglichkeit, die Abladestelle durch Zeitungsboxen zu sichern.


Hat der Bote seine Pakete an der Abladestelle aufgenommen, hat er die Aufgabe, die Zeitungen pünktlich bis 6.00 Uhr bei den Abonnenten abzuliefern. Dabei muß er auch spezielle Zustellwünsche beachten. Viele Leute wünschen es beispielsweise, daß die Zeitung hinter die Türklinke geklemmt wird oder in einer dafür vorgesehenen Zeitungsbox abgelegt wird, um sie vor Diebstahl zu schützen.


Der Bote wird deshalb dazu angehalten ein sogenanntes Zustellerbuch zu führen, in dem er alle Abonnenten in der Reihenfolge der Zustellung auflistet und sich Notizen über deren Zustellwünsche sowie andere Besonderheiten (z. B. Eingang im Hinterhof) macht. Neuerdings stellt der Verlag den Boten in EVITA erstellte Botenlaufpläne zur Verfügung, die alle diese Zustellhinweise beinhalten. Diese Lauflisten erweisen sich besonders dann als nützlich, wenn ein Bote ausfällt und ein Aushilfsbote eingesetzt werden muß. Anhand des Laufplans kann die Aushilfe die Zustellwege schnell nachvollziehen.
Nachteil der EDV-mäßig erstellten Laufpläne gegenüber dem Zustellbuch ist, daß sie nur für einen Tag aktuell sind, während im Zustellbuch laufend die Veränderungen nachgetragen werden. Die EDV-Listen hingegen müßten jeden Tag neu ausgedruckt werden.


Die Notwendigkeit eines zuverlässigen Reklamationsmanagements


Sollte die Zustellung aus irgendeinem Grund mal nicht funktionieren und ein Abonnent meldet sich deshalb im Vertrieb, ist es eine fundamentale Aufgabe des Außendienstes, die Reklamation
gewissenhaft zu bearbeiten und die Zeitung anstandslos nachzuliefern. Ein Großteil der Abonnenten zeigt Verständnis dafür, wenn es zu einmaligen Schwierigkeiten beispielsweise durch den Ausfall eines Boten kommt. Voraussetzung für dieses Verständnis ist es, daß man dem Kunden die Gründe für die mangelhafte Zustellung nennt und die Nachlieferung zuverlässig organisiert. Sehr dankbar sind die Leser, wenn man sich am nächsten Morgen noch einmal persönlich bei ihnen meldet und nachfragt ob die Zeitung wirklich angekommen ist.

Von entscheidender Bedeutung für den Erfolg einer Tageszeitung ist das Verhalten der Mitarbeiter gegenüber dem Kunden. In einer Zeit, in der es sehr schwierig und vor allem teuer ist, einen neuen Leser zu werben, muß man sich im besonderen Maße um das Wohl seiner Abonnenten kümmern. Für den Vertriebsangestellten bedeutet dies, selbst dann einen kühlen Kopf zu behalten, wenn sich ein Kunde lauthals über die "katastrophale Zustellung" beklagt oder sogar persönlich wird. In diesem Fall darf sich der Mitarbeiters auf keinen Fall provozieren lassen, sondern sollte versuchen, den Leser so weit es geht zu beruhigen und vielleicht mit einem kleinen Geschenk zu besänftigen.
Spezielle Schulungen der Angestellten in den Telefonzentralen wären wünschenswert, denn sie haben den häufigsten Kontakt zum Abonnenten und agieren im besonderen Maße als Sprachrohr des Verlages.
Eine Umfrage unter den Teilnehmern der WAZ-Tombola hat gezeigt, daß es hier teilweise noch Nachholbedarf gibt. Einige Leser fühlten sich bei der Reklamation unfreundlich behandelt und in der Rolle eines "Bittstellers". Besonders wichtig für den Erfolg dieser Umfrage war die Nachbearbeitung der Teilnahmescheine, bei der die Leser, die sich über eine unfreundliche Bedienung in der Geschäftsstelle beklagt hatten, nocheinmal angerufen wurden und ihre negativen Erfahrungen schildern durften. Ich war überrascht über die positive Reaktion der Kunden, denen auf diese Weise deutlich gemacht wurde, daß man tatsächlich an Ihrer Meinung interessiert ist.

Die Abonnenmentsverwaltung


Um die Druckauflage möglichst exakt planen zu können, ist eine gewissenhafte Eingabe aller täglichen Veränderungen notwendig. Die unverzügliche Eingabe dieser Veränderungen, die sich unmittelbar auf die Auflage auswirken (Neuzugänge, Abgänge, Aussetzer, Probelieferungen usw.), ist eine wesentliche Aufgabe der Abonnementsverwaltung in den Geschäftsstellen. Durch die Einführung der EDV wurden diese komplexen Arbeitsabläufe entschieden vereinfacht. Die in den Geschäftsstellen eingepflegten Daten bilden die Grundlage für die Auflagenbestellung bei der Druckerei, der somit die aktuellsten Zahlen zu Verfügung stehen. Um die Transparenz im Markt zu gewährleisten, werden diese Zahlen der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Die Auflage ist ein wesentlicher Faktor zur Bestimmung der Anzeigenpreise.


Grundlage der EDV-mäßigen Abonnemenstverwaltung ist die Abonnenten- Datei, in der jeder neue Leser erfasst wird. Neben Namen und Anschrift enthält die Datei die wichtigen Angaben über den Lieferbeginn, die Ausgabe, die Auflagenkennziffer (z.B. Abo mit Verpflichtungszeit, Open-end-Abo, Probelieferung usw.), Zahlungsart und Bankverbindung sowie gegebenenfalls den Werber. Das System weist dem neuen Abonnenten automatisch eine Abonummer zu und ordnet ihn mit Hilfe des Revierknechtes in ein bestimmtes Revier ein.
Die Abonummer ist die Zugangsvoraussetzung für alle später anfallenden Veränderungen, beispielsweise durch einen Umzug oder den Wechsel der Bank.

Den Abonnenten wird es ebenfalls ermöglicht, die Zeitungszustellung über einen gewissen Zeitraum (z.B. während der Ferienzeit) auszusetzen. Für diesen Zeitraum müssen auch keine Abonnementsgebühren bezahlt werden. Da die Fülle von temporären Aussetzern in der Urlaubszeit zu enormen Auflagenschwankungen führt, bietet die WAZ die Aktion Zeitungsspende sowie die Möglichkeit der Nachlieferung zum Urlaubsort an. Spendet ein Leser seine Zeitung für einen guten Zweck oder läßt sie Verwandten zukommen, bekommt er vom Verlag eine kleine Aufmerksamkeit geschenkt. Der Verlag kann auf diese Weise die Auflagenschwankungen senken und spart außerdem noch die Abogebühren, die er ansonsten zurückerstatten müßte. Dem Leser wird darüberhinaus das Gefühl vermittelt, daß seine Treue zur Zeitung auch belohnt wird. Wichtige Aufgabe der Angestellten ist es, die Leser gezielt auf diese Angebote hinzuweisen.

In einer Zeit, in der die Auflagenzahlen der Tageszeitungen rückläufig sind, bemühen sich die Verlage im besonderen Maße, Fluktuationen der Auflagenzahlen durch Abgänge zu vermeiden und die verkaufte Auflage zu stabilisieren.
In diesem Zusammenhang spielt der Begriff "Springer" eine besondere Rolle. "Springer" ist die Bezeichnung für einen prämienpflichtig geworbenen Leser, der sein Abonnement vor Ablauf der Verpflichtungszeit kündigt. Da der Bezieherwerber während der Verpflichtungszeit für das Abonnement haftet (Sprunghaftung), wird ihm seine Prämie nur teilweise und im Falle eines Vollsprungs (d.h. der Leser kündigt vor der ersten Belieferung) gar nicht ausbezahlt. Im Fall eines Sprunges druckt das EVITA-Programm eine Sprungmeldung aus, die von den Geschäftsstellen ausgefüllt werden muß. Hier werden der Abgangsgrund und die noch verbleibende Verpflichtungszeit eingetragen.
Eine hohe Sprungquote kann ein Indikator für die teilweise recht zweifelhaften Methoden der Bezieherwerber sein. Der Verlag sollte die Praktiken seiner Werber genauestens überwachen, um einem Imageverlust vorzubeugen.


Formen der Vertriebswerbung


Um neue Abonnenten zu gewinnen greifen die Verlage auf die Instrumente der Vertriebswerbung zurück. Neben der herkömmlichen Präsenz in Form von Plakaten an Kiosken und Litfaßsäulen, kann der Verlag direkt Kontakt zu dem Kunden aufnehmen. Zu diesem Zweck werden regelmäßig sogenannte Mailingaktionen durchgeführt. Hierzu werden aus einer Adreßkartei die Namen potentieller Kunden ausgeschleust, die dann beispielweise einen Coupon für eine kostenlose Probelieferung zugeschickt bekommen. Zusätzlich verspricht man ihnen im Fall einer Rücksendung eine kleine Aufmerksamkeit (Taschenrechner, CD...).


Eine weitere bewährte Methode der Abo-Vertriebswerbung ist die Leser-Werben-Leser-Aktion. Bereits aktive WAZ-Abonnenten können neue Leser aus ihrem Bekanntenkreis gegen eine Sachprämie werben. Der neue Kunde verpflichtet sich hierbei, sein Abonnement mindestens für einen Zeitraum von 24 Monaten zu behalten.

Auch die WAZ setzt zur Ergänzung der schriftlichen Werbung neuerdings auf Telefonwerbeaktionen. Die Rechtslage schreibt allerdings vor, daß dieses Instrument der Vertriebswerbung nur dann eingesetzt werden darf, wenn bereits vorher ein Kontakt (z. B. in schriftlicher Form) bestanden hat.

Gemäß dem Motto "Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft", schreibt die WAZ regelmäßig Verlosungen (z.B. die WAZ-Tombola) aus. Durch die Fülle der Preise wird gewährleistet, daß möglichst viele Leser ein Präsent erhalten.

Darüberhinaus ist die WAZ-Gruppe sehr engagiert, wenn es um das Sponsoring von Konzerten und Veranstaltungen im Ruhrgebiet geht. Sie zeigt ihre Präsenz bei vielen großen Konzerten und Events beispielsweise in der Grugahalle und der Westfalenhalle und beweist damit eindrucksvoll ihre Lokalkompetenz.


II. Die Anzeigenabteilung


Die Hauptumsatzerlöse werden bei der Zeitung durch die Veröffentlichung von Anzeigen sowie durch das Beilagengeschäft erzielt. Im Vergleich zur Vertriebsabteilung entfallen darüberhinaus relativ geringe Kosten auf die Anzeigenabteilung (siehe Grafik).


Man muß in diesem Zusammenhang berücksichtigen, daß Vertrieb und Anzeigengeschäft eng miteinander verknüpft sind, da die Auflage maßgebliches Kriterium zur Bestimmung der Anzeigenpreise ist. Im Sinne des Integrierten Verlagsmarketings ist eine konstruktive Zusammenarbeit dieser Abteilungen gemeinsam mit Verlagsleitung und Redaktion zwingend notwendig für den Erfolg einer Zeitung.
Trotz eines allgemeinen Trends in Richtung elektronische Medien und einem hiermit verbundenen stetigen Rückgang der Werbeaufwendungen in den traditionellen Printmedien, ist die Tageszeitung nach wie vor der mit Abstand umsatzstärkste Werbeträger Deutschlands. Hauptverantwortlich hierfür ist die hohe Reichweite der Tageszeitungen. Etwa 70 % in der deutschen Bevölkerung ab 14 Jahren lesen täglich eine regionale Abonnementszeitung. Die Tageszeitungen insgesamt erreichen sogar 80 % der Bevölkerung. Hinzu kommen die starke Nutzungsdauer sowie die hohe Glaubwürdigkeit.

Ein großes Mißverständnis besteht darin, daß Zeitungsanzeigen oft auf reine Werbung reduziert wird. Die Zeitungsanzeige leistet aber viel mehr. Neben den Angeboten des Einzelhändlers vor Ort können auch Informationen aus dem privaten Bereich öffentlich verbreitet werden. Die Anzeige wird zum Kontakt- und Kommunikationsinstrument. Das Bild der WAZ-Samstagausgabe beispielsweise wird deshalb entscheidender vom Anzeigenteil, als von der redaktionellen Berichterstattung geprägt - nicht nur vom Umfang her.
Bei den Lesern genießt die Anzeige einen hohen Stellenwert. Die Marktforschung ergab, daß der Anzeigenteil von den Lesern nach der lokalen und politischen Berichterstattung am intensivsten genutz wird (Þ siehe Grafik Seite 1).

Besonders wichtig ist im Anzeigengeschäft der direkte Kontakt zum Kunden, der in den Geschäftsstellen durch die Anzeigenberater hergestellt wird. Man unterscheidet hierbei nach Geschäftskunden, die zumeist nach räumlichen Gesichtspunkten unter den Anzeigenberatern aufgeteilt und von diesen betreut werden und Privatkunden, die auf ihre eigene Initiative hin eine Annonce am Anzeigenschalter aufgeben.

Da die lokalen Geschäftsanzeigen mit 36 % den größten Teil zu den gesamten Anzeigenumsatzerlösen bei regionalen Abonnementszeitungen zusteuern, ist es notwendig, sich besonders intensiv um diesen Kundenstamm zu kümmern. Diese Aufgabe übernehmen die Anzeigenberater, die mit den speziellen Anforderungen und Bedürfnissen des lokalen Einzelhandels vertraut sein müssen, um "maßgeschneiderte" Lösungsmöglichkeiten anbieten zu können. Darüberhinaus muß der Anzeigenberater über Kenntnisse im technischen und gestalterischen Bereich verfügen.

Neben den Angeboten des lokalen Einzelhandels spielt die Veröffentlichung privater Kleinanzeigen eine wichtige Rolle im Anzeigengeschäft der regionalen Abonnementszeitungen. Da speziell Privatkunden oft eine recht vage Vorstellung von den Möglichkeiten einer Zeitungsanzeige hinsichtlich des Texts, der Gestaltung und der Verbreitung haben, kommt den Mitarbeitern am Anzeigenschalter eine wichtige beratende Funktion zu. Sie müssen die Anzeige nicht nur aufnehmen, sondern oftmals selbständig formulieren und Tips zur Gestaltung geben. Vom Erfolg des Inserats hängt es schließlich ab, ob sich der Kunde in einer ähnlichen Situation wieder entschließt eine Anzeige zu schalten.

Die Auftragsabwicklung


Bei der Auftragsannahme am Anzeigenschalter unterscheidet man nicht gestaltete Anzeigen, die im Fließsatz abgedruckt werden und lediglich in das KS-Star-Programm eingegeben werden müssen von gestalteten Anzeigen, die entweder vom Mitarbeiter am Anzeigenschalter bearbeitet werden können (z.B. Stellenangebote oder gerahmte private Kleinanzeigen) oder zur Weiterverarbeitung in die Produktion geschickt werden müssen (z.B. Fröhliche-Guten-Tag-Anzeigen, Todesanzeigen).

Zunächst nimmt der Anzeigenschalter die Personalien des Kunden auf und legt Rubrik, Ausgabe, und Erscheinungsdatum fest. Daraufhin wird der Text eingegeben. Aufgrund des Millimeterpreises laut Preisliste und der Höhe der Anzeige wird der Anzeigenpreis errechnet. Diese Angaben werden in sogenannten Manuskripten zusammengefaßt. Handelt es sich um eine nicht gestaltete Anzeige, kann sie nach der Preisermittlung per Netzwerk direkt nach Essen versendet werden.
Den Mitarbeitern am Anzeigenschalter stehen aber noch vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten zur Verfügung. Es besteht beispielsweise die Möglichkeit, die Anzeige durch eine Umrahmung besonders hervorzuheben. Die Texterfassung wird dadurch wesentlich komplizierter, da man Schriftgröße, Ausrichtung und Zeilenabstände selbst festlegen muß.
Darüberhinaus können Familienanzeigen mit persönlichen Fotos und Zeichnungen ausgeschmückt werden. Die Anzeigenannahme bespricht die vielfältigen Möglichkeiten mit dem Kunden und hält seine Vorstellungen auf einem Ausdruck des Manuskripts fest. Hier werden gegebenenfalls auch die Fotos aufgeklebt. Per Kurier wird das mit den Wünschen des Kunden versehene Manuskript in die Produktion geschickt, wo es dann am Computer realisiert wird.
Als fertig entwickeltes Fotomaterial kommen die Anzeigen aus dem Entwicklungsautomaten, woraufhin sie, anhand der von Anzeigenabteilung und Redaktion festgelegten Layoutbögen, im Klebeumbruch zusammengesetzt werden.

Die bei der Auftragsannahme in den Geschäftsstellen eingepflegten Daten stehen der Anzeigenverwaltung zur Erstellung der Rechnungen zur Verfügung. Bevor die Rechnungen an den Kunden geschickt werden, wird im Anstrich überprüft, ob die Anzeige auch tatsächlich gestanden hat. Bei der Menge der täglich erscheinenden Anzeigen, kann es ebenfalls vorkommen, daß sich in die Texte Fehler einschleichen. In diesem Fall wird geprüft, ob Nachlässe oder eine Ersatzanzeige gewährt werden.
Der aufwendige Anstrich wird nicht bei privaten Kleinanzeigen durchgeführt. Man wartet hierbei auf eventuelle Reklamationen der Kunden.

Grundlage für den Geschäftsverkehr zwischen Verlag und Werbungtreibenden sind die Anzeigenpreisliste und die Allgemeinen Geschäftsbedingungen.
Die Anzeigenpreisliste enthält alle für die Auftragserteilung wichtigen Angaben. Neben den Anzeigenpreisen enthält sie technische Angaben, Termine und Besonderheiten. Berechnungseinheit ist immer die Millimeterzeile. Der Anzeigenpreis ergibt sich aus der Multiplikation von Anzeigenhöhe in Millimetern, der Spaltenzahl und des Millimeterpreises.
Die Anzeigen-AGB enthalten wesentliche Regelungen für die Annahme oder Ablehnung eines Auftrages, Haftung des Verlages für fehlerhaft gedruckte Anzeigen, Ansprüche auf Gewährung von Nachlässen, Lieferung von Druckunterlagen, Beilagen usw. sowie die Behandlung der Zuschriften auf Chiffreanzeigen.


Besonderheiten der Chiffre-Anzeigen


Besonders bei Stellen- und Heiratsangeboten gehört es zum Service der Verlage, die Anonymität der Kunden durch Chiffre-Anzeigen zu wahren. Bei der Chiffre-Anzeige gibt der Kunde statt einer Telefonnumer oder Anschrift eine sogenannte Chiffre-Nummer an. Die Interessenten wenden sich daraufhin nicht direkt an ihn, sondern senden ihre Angebote zunächst an den Verlag, der die Zuschriften dann weiterleitet. Der Verlag geht die Verpflichtung ein, den Namen des Inserenten nicht an Dritte weiterzugeben. Deshalb ist ein besonders verantwortungsvoller Umgang mit den Chiffre-Anzeigen erforderlich. Inserenten, die ihre Zuschriften persönlich in der Geschäftsstelle abholen, erhalten diese erst nach Vorlage eines gültigen Personalausweises.